Räume im Wandel:
 
Gytis Skudzinskas
Remigijus Treigys
Raimundas Urbonas

 

 

18. September – 25. Oktober 2008
Eröffnung: 18. September 19 – 21 Uhr

 

 

Räume können verschieden sein: öffentlich und privat, physisch und virtuell, kultiviert oder ursprünglich, für Erholung oder für Unterhaltung bestimmt, schreckeneinflößend oder liebgewonnen...Es soll aber auch daran erinnert werden, dass Räume ständigem Wechsel unterliegen. Sie fließen und verflechten sich miteinander, wobei sie Grenzen verlieren. Unberührte Landschaften füllen sich langsam mit urbanen Zeichen, welche die klaren Grenzen zwischen dem Stadtbild und der offenen, reinen tabula rasa auflösen. Aus unseren privaten Behausungen wandern wir in den öffentlichen Raum, den wir über die Labyrinthen der Treppenhäuser, der Höfe oder der „eigenen Straße“ erreichen. Allmählich verändert sich auch der politische Raum: der sowjetischen „Tauwetterperiode“ folgte „Perestroika“, der Unabhängigkeit die Mitgliedschaft in der EU, in der wir frei reisen können, denn wir gehören bereits dem Schengener Raum. Und doch gibt es Orte, die so wirken, als hätten sie einen Riss im Raum. Zu jenen Orten gehören beispielsweise die Küstenzonen. Dort wird der Raum wegen der natürlichen geografischen Bedingungen in zwei völlig verschiedene Territorien geteilt. Gerade dort empfindet der Mensch die Raumunterschiede sowohl physisch als auch mental außerordentlich deutlich.

Mit dem Projekt „Räume im Wandel“ soll versucht werden, die Wechselbeziehungen zwischen dem Raum, seinem Wandel und der Selbsterkenntnis des Menschen zu reflektieren. Am Projekt sind drei Fotografen der Küstenregion Litauens beteiligt, im deren Schaffen eine dominierende Position den Strategien der Fixierung, der Analyse und der Umwandlung des Raumes zukommt.

Raimundas Urbonas macht von zwei Hauptprinzipien Gebrauch: er fixiert den geschlossenen, intimen Raum, indem er über die Erfahrungen und den Alltagsleben einer Familie berichtet. Des weiteren sucht er nach verlassenen, sich in die Vergangenheit physisch zurück ziehenden Bauten, die den Geruch der sie umgebenden Geschehnisse in sich aufgenommen haben. In Urbonas` Räumen gibt es keine direkten Hinweise auf handelnde Personen oder eine konkrete Zeit, jedoch wird die Individualität des Raumes darin immer deutlich umrissen.

Remigijus Treigys eignet sich ebenfalls aufmerksam und aus der Entfernung Sinnbilder der Räume an, nur ist hier der individuelle künstlerische Ausdruck des Autors bestimmend. In seinen Fotografien wird die Erzählung über einen physischen Ort paraphrasiert und in ein anderes, noch nicht erlebtes Bühnenbild übersetzt. Nicht selten lässt der Künstler am Bildrand links einen schwarzen Streifen bzw. einen Riss, der den Betrachter weiter in die Zonen außerfalb des Bildfeldes führt. Es ist kein fixierter Raum, aber er existiert nebenan.

Gytis Skudzinskas konstruiert mit den Mitteln der Fotografie den bereits existierenden Raum neu. Dabei wird durch den Blick aus mehreren Richtungen auf dieselben, nicht selten aber auch auf verschiedene Räume ein neues Stadtbild, eine Simulation, erzeugt. Die in den Fotografien verwobenen urbanen Landschaften lassen nach einem gemeinsamen Nenner für den öffentlichen Raum suchen. Die ineinander fließenden und sich wiederholenden Bilder lösen die Umrisse eines lokalen Raumes auf und das kraftvolle Abbild wird zu einer mehrdeutigen Konstruktion.

Zum Projekt „Räume im Wandel“ erscheint ein Katalog. Darin analysieren Kunsthistoriker, Publizisten und Philosophen die Möglichkeiten der Rezeption des Raumes, seines Wandels und seines fotografischen Abbildes. Ein besonderer Augenmerk soll auf das Dilemma der Wechselbeziehung zwischen dem Raum und dem Individuum, auf den Einfluss der Räume bei der Selbsterkenntnis des Menschen, auf die Paradoxien der Auffassung vom fotografischen Abbild und einem realen Raum gerichtet werden.